von Anna-Christin Wundsam
20 Apr 26

Was tun, wenn Rechnungen nicht bezahlt werden?

5 min Min. gelesen

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Zahlungsverzug – was tun, wenn Rechnungen nicht bezahlt werden?

Gerade Solo-Selbstständige und kleine Unternehmen arbeiten oft mit knappen Rücklagen. Wenn dann ein Kunde Rechnungen verspätet zahlt oder ganz ausfällt, kann man schnell unverschuldet in eine finanzielle Schieflage geraten. Ein wichtiger erster Schritt ist deshalb, finanzielle Puffer aufzubauen. Noch entscheidender ist jedoch, Zahlungsausfälle von Anfang an möglichst zu vermeiden. Wie gehst du also am besten vor, um dich wirksam abzusichern?

Prüfe die Zahlungsfähigkeit neuer Kunden

Klingt banal, ist aber einer der wirksamsten Schritte gegen spätere Zahlungsausfälle: Prüfe vor dem Start einer Zusammenarbeit, ob dein neuer Kunde voraussichtlich zuverlässig zahlen kann. Gerade für Solo-Selbstständige und kleine Unternehmen kann ein einziger offener Betrag bereits spürbare Folgen für die Liquidität haben. Deshalb empfehlen auch Industrie- und Handelskammern, neue Geschäftsbeziehungen frühzeitig auf ihre Zahlungsfähigkeit zu prüfen.

Recherchiere den Kunden vorab

Schon mit wenigen Minuten Recherche bekommst du oft ein gutes erstes Bild:

  • Gibt es ein vollständiges Impressum und eine seriöse Website?
  • Ist das Unternehmen im Handelsregister eingetragen?
  • Gibt es nachvollziehbare Ansprechpartner?
  • Finden sich Bewertungen, Erfahrungsberichte oder Hinweise auf Zahlungsverzug?
  • Ist das Unternehmen aktiv und professionell erreichbar?

Auch in Freelancer-Netzwerken, Branchenforen oder Bewertungsportalen lassen sich manchmal Erfahrungen anderer Dienstleister finden. Wenn mehrere Personen von verspäteten Zahlungen berichten, solltest du aufmerksam werden.

Bei größeren Aufträgen: Bonität prüfen

Geht es um höhere Summen, längere Projekte oder hohe Vorleistungen deinerseits, kann eine professionelle Bonitätsprüfung sinnvoll sein. Solche Auskünfte bieten unter anderem Wirtschaftsauskunfteien wie SCHUFA, Creditreform oder CRIF an.

Dabei wird eingeschätzt, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Unternehmen seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommt. Grundlage sind zum Beispiel:

  • bisheriges Zahlungsverhalten
  • Unternehmensdaten und Registereinträge
  • bestehende Negativmerkmale
  • Jahresabschlüsse (wenn verfügbar)
  • Branchendaten und statistische Merkmale

Das Ergebnis ist keine Garantie, aber eine wertvolle Risikoeinschätzung.

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Was tun bei auffälligen Signalen?

Wenn du ein ungutes Gefühl hast oder die Bonität schwach wirkt, musst du den Auftrag nicht automatisch ablehnen. Oft reichen klare Sicherheitsmaßnahmen:

  • Abschlagszahlung vor Projektstart
  • 50 % Anzahlung
  • kürzere Zahlungsziele
  • Teilrechnungen nach Meilensteinen
  • Leistung erst nach Zahlung freigeben
  • schriftliche Vereinbarungen mit klaren Fristen

Sonderfall E-Commerce

Wer einen Onlineshop betreibt, trägt beim Thema Zahlungsausfälle ein besonderes Risiko. Gerade in Deutschland sind Kauf auf Rechnung und Lastschrift beliebt. Das bedeutet für Händler oft: Die Ware wird verschickt, bevor das Geld eingegangen ist.

Bleibt die Zahlung aus, entstehen nicht nur offene Forderungen, sondern oft auch Kosten für Versand, Retouren und Mahnungen. Viele Shops nutzen deshalb integrierte Bonitätsprüfungen im Checkout. So wird das Zahlungsrisiko automatisch bewertet und passende Zahlungsarten werden freigegeben oder eingeschränkt.

Mahnungen bei ausbleibender Zahlung

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen kann es passieren, dass ein Kunde nicht pünktlich zahlt. Ist das eher untypisch, reicht zunächst oft eine freundliche Zahlungserinnerung. Viele Rechnungen werden schlicht übersehen oder im Alltag vergessen.

Reagiert der Kunde nicht oder bleibt die Zahlung weiter aus, folgt der nächste Schritt: eine Mahnung mit klarer Frist. Mehrere Mahnungen sind in der Praxis zwar üblich, rechtlich ist häufig bereits eine Mahnung ausreichend. Entscheidend ist vor allem, dass du zeitnah reagierst und offene Forderungen nicht liegen lässt.

Genau hier zeigen gute Rechnungsprogramme ihren Wert. Ein Tool wie Shine behält deine offenen Rechnungen im Blick, markiert überfällige Zahlungen automatisch und unterstützt dich bei Zahlungserinnerungen oder Mahnungen. So geht keine Forderung unter und du sparst dir manuelle Nachverfolgung. Wer offene Rechnungen früh erkennt und schnell nachfasst, wird meist schneller bezahlt. Konsequentes Forderungsmanagement ist oft der einfachste Schutz vor Liquiditätsproblemen.

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Verzug und Zusatzkosten

Sobald der Kunde in Verzug ist, kannst du je nach Fall verlangen:

  • Verzugszinsen
  • Ersatz von Mahnkosten
  • ggf. weitere Verzugsschäden

Der nächste Schritt: Mahnbescheid, Klage oder Inkasso

Bleibt die Zahlung trotz Erinnerung und Mahnung aus, solltest du die Forderung nicht unbegrenzt offenlassen. Dann geht es darum, den wirtschaftlich sinnvollsten nächsten Schritt zu wählen. Welche Option passt, hängt hauptsächlich von der Höhe der Forderung, der Erfolgsaussicht und der Beziehung zum Kunden ab.

Mahnbescheid

Für unbestrittene Geldforderungen ist das gerichtliche Mahnverfahren oft ein sinnvoller nächster Schritt. Du kannst beim zuständigen Mahngericht einen Mahnbescheid beantragen. Das Verfahren ist im Vergleich zu einer Klage meist schneller und zunächst kostengünstiger. Reagiert der Schuldner nicht, kann anschließend ein Vollstreckungsbescheid folgen – damit wird auch eine Zwangsvollstreckung möglich.

Widerspricht der Kunde jedoch, geht das Verfahren in ein normales Gerichtsverfahren über. Rechnest du fest mit einem Widerspruch, kann eine direkte Klage im Einzelfall effizienter sein.

Klage

Wenn die Forderung streitig ist, der Kunde Einwände erhebt oder komplexere Vertragsfragen im Raum stehen, kann eine unmittelbare Klage der bessere Weg sein. Hier sollte idealerweise anwaltlich geprüft werden, wie gut die Erfolgsaussichten sind und welche Kosten entstehen können.

Inkassobüro

Eine weitere Möglichkeit ist die Beauftragung eines Inkassounternehmens. Dieses übernimmt die Kommunikation mit dem Schuldner, verfolgt Fristen und treibt die Forderung professionell ein. Das spart Zeit und entlastet dich im Tagesgeschäft. Teilweise gibt es auch Modelle, bei denen Forderungen verkauft oder vorfinanziert werden. Dafür fallen je nach Anbieter Gebühren oder Abschläge an.

Der Nachteil: Viele Kunden empfinden die Einschaltung eines Inkassobüros als harte Eskalation. Wenn du die Geschäftsbeziehung erhalten möchtest, solltest du diesen Schritt gut abwägen und vorher die direkten Möglichkeiten ausschöpfen.

Fragen zum Thema Zahlungsverzug

Am besten prüfst du neue Kunden bereits vor Beginn der Zusammenarbeit. Recherchiere Website, Impressum, Handelsregistereintrag, Ansprechpartner und mögliche Erfahrungsberichte. Bei größeren Aufträgen kann zusätzlich eine Bonitätsprüfung sinnvoll sein. Außerdem helfen Sicherheitsmaßnahmen wie Anzahlungen, Abschlagszahlungen, Teilrechnungen oder kurze Zahlungsziele.

Bleibt eine Zahlung aus, reicht zunächst oft eine freundliche Zahlungserinnerung. Reagiert der Kunde nicht, solltest du zeitnah eine Mahnung mit klarer Frist senden. Sobald sich der Kunde im Verzug befindet, kannst du je nach Fall auch Verzugszinsen und Mahnkosten verlangen.

Wenn auch nach Mahnung keine Zahlung eingeht, kommen drei Wege infrage: ein gerichtlicher Mahnbescheid, eine Klage oder die Beauftragung eines Inkassobüros. Welche Option sinnvoll ist, hängt von der Höhe der Forderung, den Erfolgsaussichten und der gewünschten Kundenbeziehung ab.

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